Sonntag: Der Tag der Spekulationen
Die Bundesratswahlen werfen schon lange ihren Schatten voraus. Und morgen Sonntag werden sie wie schon die Sonntage davor in irgendeiner Form wieder die Sonntagszeitungen füllen.
Soeben habe ich nach einem längeren Gespräch mit einer Journalistin das Telefon aufgehängt. Sie wollte von mir wie andere schon vor ihr wissen, was ich von der Idee halte, dass die CVP mit der BDP fusioniere und dass doch die anstehenden Bundesratswahlen die Gelegenheit seien, an die BDP heranzutreten. Immerhin gäbe es Kollegen (Kantonalparteipräsidenten), die sich solche Überlegungen machten.
Die Journalisten und Journalistinnen wissen natürlich, dass am kommenden 22. November eine Kantonalparteipräsidentenkonferenz stattfindet. Sie wissen aber nicht, dass dieses Gremium keine Beschlusskompetenzen hat. Es ist nicht einmal statutarisch verankert.Trotzdem, man kann ja darüber spekulieren, was dort diskutiert werden könnte. Und jede Idee und jeder Gedanken, der ein Eingeladener formuliert wird dann schon medial verarbeitet.
Achille Casanova hat einmal gesagt, dass Journalisten früher mehr gewusst haben, als sie schrieben. Heute sei es umgekehrt, sie schreiben mehr als sie wissen. Wenn man mehr schreibt als man weiss, dann spekuliert man.
Ich habe die Redaktorin aufgefordert, mir doch einmal zu sagen, welche Fakten mit Blick auf die diskutierte Fusion mit der BDP bestehen. Sie gab mir recht, dass es bis auf ein paar Äusserungen von Meinungen nichts gibt. Wieso kann man es nicht dabei belassen?
Aber dann der vorgesehene Platz in der Zeitung leer. Also schreibt man halt trotzdem etwas - und spekuliert.
